https://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/issue/feedCampus der Theologien2025-03-29T15:04:31+01:00Prof. Dr. Gesche Linde, Prof. Dr. Mouez Khalfaoui, JProf. Dr. MSt. Oxon Thomas Jürgaschgesche.linde@uni-tuebingen.deOpen Journal SystemsZeitschrift des "Campus der Theologien" der Universität Tübingen für theologische Studien mit inter- oder transreligiösem Bezug.https://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3870Editorial2025-03-27T19:34:22+01:00Volker Henning Drecollvolker.drecoll@uni-tuebingen.de<p>Kann man sinnvoll von einem „Handeln Gottes“ sprechen? Oder sind damit bereits Voraussetzungen gemacht, die kritisch zu erörtern sind? Die Beiträge in diesem Heft zeigen exemplarisch, dass die Antworten auf diese Fragen sehr verschieden ausfallen – und <br>sich dabei keine Zuordnung zu einer Institutionalisierung der beteiligten Theologietraditionen herstellen lässt.</p>2025-04-01T00:00:00+02:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3872Das Handeln Gottes2025-03-27T19:48:04+01:00Volker Henning Drecollvolker.drecoll@uni-tuebingen.de<p>Der Begriff des „Handelns Gottes“ kann als ein Integrationsbegriff in der Gotteslehre benutzt werden, der die Ewigkeit Gottes mit verschiedenen loci der materialen Dogmatik verknüpft. Dabei wird „Handeln“ ebenso von einzelnen Handlungen abgegrenzt wie als Terminus der Gotteslehre von der Anwendung im endlichen Bereich abgehoben. Für die genauere Modellierung des Begriffs erweist sich die Beschreibung von Pannenberg als hilfreich, der als Bedingungen der Moderne die Bevorzugung der Relationen gegenüber Substanzen und die Berücksichtigung des Prozesshaften, das erst vom Ende her seine Identität findet, formuliert. Ein Vergleich mit Augustin zeigt, dass diese beiden Forderungen keineswegs so modern sind, wie Pannenberg suggeriert. Der Blick auf das Zeitkonzept Augustins und seine Vorstellungen von der wirksamen und gestuften Präsenz Gottes in der Welt werden als Anregungen diskutiert, die deutlich machen, dass der Begriff des Handelns weder auf eine allgemeine Schöpfungslehre noch auf die Frage nach der Heilsgeschichte oder gar den Wundern reduziert werden kann. Er kann aber sehr wohl als Integrationsbegriff entwickelt werden, der die Gesamtheit von Gottes Verhältnis zur endlichen Welt beschreibt. Sein spezifischer Charakter ist weder denkerisch noch sprachlich präzise einfangbar, zeigt sich jedoch, so die Annahme des christlichen Glaubens, im Christusereignis.</p>2025-04-01T00:00:00+02:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3873Pest – Hunger – Krieg2025-03-27T19:54:56+01:00Andreas Holzemandreas.holzem@uni-tuebingen.de<p>Menschen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit besprachen das ›Handeln Gottes‹ insbesondere dann, wenn sie von existenziellen Bedrohungen heimgesucht wurden. Seuchenzüge, Hungersnöte und Kriege waren Anlass, mit einem zornigen Gott zu rech-nen, der die Sünden der Menschheit strafte. Biblische Muster von Heimsuchung, Interzession und Erlösung verbanden sich mit der Verehrung der Jungfrau Maria und der Heiligen.</p> <p>Die Aufklärung unterzog dieses theologische Muster einer doppelten Kritik: Zunächst glaubten die Physikotheologen, von ihrer Faszination angesichts einer wohlgeordneten Natur auf einen weisen und gütigen Weltenlenker schließen zu können. Dann aber führte die Naturkatastrophe des Erdbebens von Lissabon (1755) die Kritik Voltaires weit darüber hinaus. Er stellte die Erfahrung menschlichen Leidens radikal gegen die Vorstellung eines planvoll handelnden Gottes.</p> <p>In der Moderne und Postmoderne sind diese Muster noch erstaunlich leicht aufzufinden. Einer interreligiösen Theologie kommt die Aufgabe zu kritisch zu untersuchen, wer sich mit welchen Absichten dieser Muster bedient.</p>2025-04-01T00:00:00+02:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3876Gottes Handeln und die prophetische Praxis der Zuschreibung im Islam2025-03-27T20:03:54+01:00Ruggero Vimercati Sanseverinoruggero.vimercati-sanseverino@uni-tueibngen.de<p>Auch wenn das Wissen, dass Gott immerzu und unablässig handelnd ist, sich im Qur’an als ein den Menschen von der Knechtschaft eines blinden Schicksals befreiendes Wissen darstellt, so muss ein gegenwartsorientiertes islamisches Denken davon ausgehen, dass die Rede vom Handeln Gottes in der bisherigen Form nicht unbedingt unmittelbar nachvollziehbar ist. Die Islamische Theologie, als eine wissenschaftliche Form des Versuchs, diese Herausforderung anzunehmen, tut sich sichtlich schwer damit. In diesem Beitrag soll es darum gehen, anhand prophetologischer Erkundungen einen Impuls auszuarbeiten, der in der bisherigen islamisch-theologischen Diskussion weitgehend unberücksichtigt geblieben ist. Dieser Impuls geht von der einfachen Feststellung aus, dass der Islam eine prophetische Religion ist und dass daher die islamische Auffassung von Gottes Handeln eine prophetisch vermittelte Auffassung sein muss. Demnach kann in einem islamischen Zusammenhang die theologische Rede vom Handeln Gottes nur dann sinnvoll sein, wenn sie prophetologisch gedacht, begründet und formuliert wird. Im Ausblick wird schließlich darauf eingegangen, welche interreligiösen Perspektiven sich für ein Reden vom Handeln Gottes daraus ergeben könnten.</p>2025-03-29T00:00:00+01:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3878Was kann heißen, dass Gott handele?2025-03-27T20:09:25+01:00Gesche Lindegesche.linde@uni-tuebingen.de<p>Nach einer knappen Bestandsaufnahme der Diskussion (Abschnitt 1) problematisiert der Aufsatz die Rede vom Handeln Gottes, indem er formal zehn verschiedene Bedeutungsmöglichkeiten der Rede vom Handeln Gottes unter Zugrundelegung der Peirceschen Semiotik erörtert (Abschnitte 2–4) und sodann mit drei inhaltlichen Monita aus evangelisch-theologischer (insbesondere lutherischer) Perspektive schließt (Abschnitt 5).</p>2025-03-29T00:00:00+01:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3879„Wenn mir Gott zerrinnt … “2025-03-27T20:13:11+01:00Michael Schüßlermichael.schuessler@uni-tuebingen.de<p>Der Beitrag dekonstruiert zunächst die starken Vorannahmen des Handlungsbegriffs im Diskurs um das Handeln Gottes. Anschließend wird mithilfe neuerer Praxis- und Ereignistheorien gefragt, wie sich das Verhältnis von Gott und Welt von einem nachmodernen Praxisbegriff her anders denken lässt. Als Konkretionen kommen die radiale Theologie John D. Caputos und die theologische Genderforschung in den Blick. Am Ende steht ein intertheologisches Abschlussgespräch mit Milad Karimi, der Gott ganz ähnlich als Ereignis des Koran versteht.</p>2025-03-29T00:00:00+01:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3880Handeln, indem man behauptet, dass Gott handelt2025-03-27T20:18:02+01:00Matthias Möhring-Hessematthias.moehring-hesse@uni-tuebingen.de<p>Die Rede vom Handeln Gottes hat im Christentum und im Islam starke Referenzen in den jeweiligen Traditionen. Christ:innen und Muslime dürfen daher erwarten, dass man von den eigenen ›Glaubensschwestern und -brüdern‹ verstanden wird, wenn sie behaupten, dass Gott handelt. Doch was tun sie, wenn sie ein Ereignis als Handeln Gottes behaupten und damit von anderen verstanden werden wollen? Diese Frage sucht der Beitrag durch pragmatistische Rekonstruktion der religiösen Rede vom Handeln Gottes aufzuklären. Dazu wird ›Gott handelt …‹ als eine Basishandlung und – darauf aufbauend – als Moment komplexer Glaubenspraxis untersucht: In der Interaktion mit ›Glaubensschwestern und brüdern‹ können Akteure mit ›Gott handelt …‹ Bezug auf Ereignisse nehmen, die ihnen andernorts und damit in einer ursprünglichen Situation ›passieren‹. Mit ihrer Behauptung erschaffen sie innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft eine Handlungssituation oder handeln mit ihrer Behauptung in einer innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft vorgefundenen Situation. Sie können die sich ihnen dort stellenden Herausforderungen bewältigen und dadurch ihr Gottesverhältnis bewähren, – können also glauben. Allerdings ›ersetzt‹ dieser Glauben nicht den Glauben, den sie in der ursprünglichen Situation vollziehen, indem sie dort – in Antwort auf das sich dort ereignende Handeln Gottes – handeln und dazu etwas anderes tun, als ›Gott handelt …‹ zu behaupten. In der Interaktion mit ihren ›Glaubensschwestern und -brüdern‹ verändert die Behauptung die dort jeweils geltende Sinnwelt und dadurch auch die jeweilige Handlungssituation: Gott selbst hat in der Welt eine Handlungssituation und ist darin mit einer auf diese Situation bezogenen Absicht vertreten. Dass diese Anwesenheit festgestellt wird, ist in der Interaktion der ›Glaubensschwestern und -brüder‹ affirmativ, konnektiv und imperativisch wirksam.</p>2025-03-29T00:00:00+01:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologienhttps://campus-der-theologien.de/ojs/index.php/cdt/article/view/3881„Handeln Gottes“ als „Grundmetapher“?2025-03-27T20:24:25+01:00Matthias Rufmatthias.ruf@uni-tuebingen.de<p>In einem kirchlichen Votum und theologischen Begleittexten aus jüngerer Zeit wurde vorgeschlagen, dass alle Behauptungen eines Handelns Gottes metaphorisch verstanden werden sollten. Dieser Zugriff ist jedoch theologisch kaum leistungsfähig und mit Blick auf seine Voraussetzungen nicht überzeugend: Weder lassen die biblischen Bezugstexte erkennen, dass sie durchgängig metaphorisch zu verstehen seien, noch sind die unterstützenden Behauptungen plausibel, dass Metaphern in keiner Weise paraphrasierbar seien oder dass ohnehin kein Unterschied zwischen »eigentlicher« und »uneigentlicher Rede« bestehe. Demgegenüber liegt es theologisch nahe, die Rede vom Handeln Gottes an Schlüsselstellen wörtlich (und analog) zu verstehen und im Sinne eines »vermittelten Handelns Gottes« zu entfalten.</p>2025-03-29T00:00:00+01:00Copyright (c) 2025 Campus der Theologien