Pest – Hunger – Krieg

Das Handeln Gottes und die Sünde des Menschen

Autor/innen

  • Andreas Holzem Eberhard-Karls-Universität Tübingen Katholisch-Theologische Fakultät Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte

DOI:

https://doi.org/10.71956/cdth001-art02

Abstract

Menschen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit besprachen das ›Handeln Gottes‹ insbesondere dann, wenn sie von existenziellen Bedrohungen heimgesucht wurden. Seuchenzüge, Hungersnöte und Kriege waren Anlass, mit einem zornigen Gott zu rech-nen, der die Sünden der Menschheit strafte. Biblische Muster von Heimsuchung, Interzession und Erlösung verbanden sich mit der Verehrung der Jungfrau Maria und der Heiligen.

Die Aufklärung unterzog dieses theologische Muster einer doppelten Kritik: Zunächst glaubten die Physikotheologen, von ihrer Faszination angesichts einer wohlgeordneten Natur auf einen weisen und gütigen Weltenlenker schließen zu können. Dann aber führte die Naturkatastrophe des Erdbebens von Lissabon (1755) die Kritik Voltaires weit darüber hinaus. Er stellte die Erfahrung menschlichen Leidens radikal gegen die Vorstellung eines planvoll handelnden Gottes.

In der Moderne und Postmoderne sind diese Muster noch erstaunlich leicht aufzufinden. Einer interreligiösen Theologie kommt die Aufgabe zu kritisch zu untersuchen, wer sich mit welchen Absichten dieser Muster bedient.

Autor/innen-Biografie

Andreas Holzem, Eberhard-Karls-Universität Tübingen Katholisch-Theologische Fakultät Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte

Prof. Dr., geb. 1961 in Dortmund, Studium der Theologie, Philosophie und Publizistik in Münster, München und Rom, seit 1999 Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen.

Christianity in Germany 1550–1850. Confessionalization – Enlight-enment – Pluralization,  Volume 1/2, translated by Charlotte Kieslich and Ansgar Hastenpflug, Paderborn – Leiden – Boston 2023; Krieg und Frieden in München (1914–1939). Topografie eines Dis-kurses. Darstellung und Dokumente, Paderborn – Leiden – Boston 2021 (mit Antonia Leugers); Religiöses Wissen im vormodernen Europa: Schöpfung – Mutter-schaft – Passion, Paderborn – Leiden – Boston 2019 (mit Renate Dürr, Annette Gerok-Reiter, Steffen Patzold).

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Veröffentlicht

01.04.2025

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